Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats Januar.
Mutig I

Kennt Ihr Eugene Hütz? Indira Ranamagar? Stanislaw Petrow? Ich kannte keine der drei Personen. Und auch von den anderen über achtzig Menschen, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind mir nur ein paar bekannt. Ocean Vuong zum Beispiel, amerikanischer Schriftsteller mit vietnamesischen Wurzeln, kannte ich; allerdings weiß ich erst seit „Stories for Kids who dare to be different“ was er erlebte. William Buckland war mir ein Begriff – Zulma Brandonie de Gasparini hingegen nicht, obwohl beide Saurier erforschten bzw. noch erforschen.

Egal wo man das Buch aufschlägt: Der Mensch, der beschrieben ist, fasziniert. Durch Einzigartigkeit und Durchhaltevermögen – egal, was alle anderen sagten oder immer noch sagen. Und nicht minder faszinierend ist, dass diese Menschen auf dem ganzen Globus leben, alle Hautfarben haben und jenseits festgefügter Geschlechterrollen agieren. Das macht „vom Mut, anders zu sein“ zu einem hochinteressanten Lesebuch für Menschen ab 10 Jahren. Für Jüngere ist es eingeschränkt geeignet, hier ist begleitetes Lesen gefordert, weil die Lebenssituationen der Menschen oft nähere Erläuterungen braucht (und manchmal auch schwer auszuhalten sind).  

Ben Brooks: „Stories for Kids who dare to be different – vom Mut, anders zu sein“, Loewe Verlag, 978-3-7432-0421-8, € 19,95

Preisgekrönt

Byongsu Kim liebt seinen Bambushain, liest gerne Klassiker und schreibt Gedichte. Der Dozent der Schreibwerkstatt ist verwundert und begeistert ob seiner „Metaphern“, doch dem Dichter selbst ist klar, dass er nicht in Bildern spricht – er erzählt von dem, was er kennt: dem Morden. Auch wenn er vor über 20 Jahren damit aufgehört hat, die Mordtaten selbst, deren Planung und die Abläufe sind ihm sehr präsent. Wie lange noch, das weiß er nicht, denn bei ihm ist Demenz diagnostiziert - und so findet er sich in einem Wettlauf mit der Zeit und dem Vergessen wieder, denn er hat einen Mann getroffen, der den gleichen Blick auf die Welt hat. Einen anderen Serienmörder, Byongsu Kim ist sich sicher und er scheint ein Auge auf seine Tochter geworfen zu haben. Er setzt alles daran, ihm zuvor zu kommen.

Dieser kurze Roman ist ganz großes Kino. In kleinen, tagebuchartigen Sequenzen erzählt Serienmörder Byongsu Kim von seinem Alltag, der zunehmend von der Demenz bestimmt wird. Aber auch, in lakonischer Sprache und ohne Beschönigung, von den Toten und dem Morden. Die Suche nach Identität, nicht nur, aber auch hervorgerufen durch die immer größer werdenden Gedächtnislücken, gepaart mit menschlichen Abgründen im scheinbar Normalen – das ist faszinierend zu lesen und gibt lange Stoff zum Nachdenken.

Kim Young-Ha: „Aufzeichnung eines Serienmörders“, Cass-Verlag, Übersetzung Inwon Park, 978-3-944751-22-1, € 20,00

Schnörkellos

Ruth Weiss kommt nach ihrer Großmutter, beide lieben das ruhige, strukturierte Leben, klare Absprachen, gutes Essen. Ruth liebt das Lesen – ihre Eltern liebt sie auch, doch diese sind irgendwie gefangen in ihrer eigenen Welt: ihre Mutter ist Schauspielerin, der Vater Buchhändler und beide scheinen niemals erwachsen zu werden. Mit dem Tod der Großmutter beginnt eine seltsame Spirale aus Abhängigkeit und Ablösung, angetrieben auch durch Haushälterin Maggie, die zur seltsam unpassenden Freundin der Mutter wird. Ruths Suche nach sich selbst und der Liebe wird immer auch verstärkt durch die Literatur und ihren großen Hang zu Balzac. Sind es die Tugendhaften, die irgendwann mit einem guten Leben belohnt werden – oder sind gelingt dies im Gegensatz dazu den Halbseidenen, Bösewichten, denjenigen, die ohne Disziplin oder Moral durchs Leben ziehen?

Vergessen Sie den Klappentext! In diesem Roman ist Ruth Weiss überhaupt nie vierzig Jahre und ob die Literatur ihr Leben ruiniert oder nicht – das zu beurteilen überlässt die Autorin Anita Brookner uns Leser*innen; sie beschreibt lediglich sehr genau Ruths Leben, ihr Fühlen und ihr Tun. Eigentlich passiert nicht viel in diesem Buch. Stattdessen verhandelt es große Themen wie Liebe und Verantwortlichkeit sehr berührend und durchaus amüsant.

Anita Brookner: „Ein Start ins Leben“, Eisele Verlag, Übersetzung: Wibke Kuhn, 978-3-961610-71-6, € 12,00

Gewaltig

Fetch Philipps ist ein versoffener Mann-für-alles, er lebt in Sunder City, wo die Vergangenheit allgegenwärtig ist. Als Mensch und Soldat ist er hauptverantwortlich daran, dass die Magie aus der Welt ist – er empfindet es als große, unauflösbare Schuld, dass letztendlich alle Wesen außer den Menschen nunmehr nur noch existieren statt wirklich zu leben. Ihre Art des Lebens, ein Leben als Magum, ist unwiederbringlich zerstört, weil es keine Magie mehr gibt. Und so nimmt er grundsätzlich nur Aufträge von Magum an. Diesmal den Auftrag, einen Vampir zu finden, der als Lehrer arbeitet, grundhaft gütig und klug sein soll und seit einer Woche als vermisst gilt.

Sehr spannend geschrieben ist dieser erste Band einer neuen Reihe, und die Welt ist klug ausgedacht. Luke Arnold hat einen Fantasy-Noir-Roman verfasst, der sehr annehmbar auch die Sinn-Frage nach dem guten Leben stellt … Nur für Zartbesaitete ist er nicht geeignet, die Elfen, Trolle, Vampire und all die anderen magischen Wesen sind genauso brutal wie ihre menschlichen Gegenspieler.

Luke Arnold: „Der letzte Held von Sunder City“, Verlag Knaur, Übersetzung: Christoph Hardebusch, 978-3-426-52616-3, € 14,99
Mutig II

„Die Alternative zu Mut ist, feig zu sein. Es wäre empfehlenswert, wenigstens das nicht zu sein.“ Damit schließt dieses Buch – und es scheint mir eine gute Mindestanforderung für gelingendes Leben. Lotte Tobisch, geboren 1926, Wienerin mit Leib und Seele, Burgschauspielerin, lange Jahre Organisatorin des Opernballs, hat zum Thema Mut sehr viel zu sagen. Dass Fantasie zum Mut dazugehört zum Beispiel, aber auch, dass sie selbst neben Mut vor allem auch Glück hatte. Dass man auf dieses Glück aber nicht zählen könne, darum wäre übermütig sein, etwas demonstrieren wollen, keine gute Basis für Lebensentscheidungen.

Ihre ein wenig launischen Gedankenspiele lesen sich einerseits unterhaltsam, andererseits steckt einiges an Weisheit darin. „Auch Wohlstand macht die Menschen nicht besser.“: Ich finde, das lässt sich gut auf Corona-Zeiten übertragen, und dass Verantwortungssinn ein guter Begleiter zum Mut ist, das passt auch. „Gedankenspiele“ ist eine kleine, feine Reihe im Literaturverlag Droschl – und jedes Buch ist erhellend und lesenswert.

Lotte Trobisch: „Gedankenspiele über den Mut“, Literaturverlag Droschl, 978-3-99059-067-6, € 10,00

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