Krimi Lieblinge 2023 - 2022 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Unsere Krimi-Lieblinge in 2022:
Hervé Tellier: Die Anomalie

Der Reigen beginnt mit Blake. Der natürlich nicht wirklich Blake heißt – als Jo kennen ihn seine Familie und die Leute seiner Firma. Seine geheime Existenz ist mit zwanzig anderen Vor- und Nachnamen versehen, denn Blake ist Profikiller. Als solcher hat er Ende März 2021 in New York einen Auftrag zu erledigen. Victor Miesel hingegen ist Autor, seinen Lebensunterhalt verdient er mit Übersetzungen. Die Turbulenzen beim Anflug auf New York, bei denen er zu sterben glaubte, inspiereren ihn – einen knappen Monat später ist sein Bestseller fertig. Weitere Personen bekommen ihren Auftritt, dann beginnt der Reigen von neuem: Der elektromagnetische Wirbelsturm, der die Turbulenzen auslöste, hat Flugzeug und Passagiere dupliziert und nun gibt es Blake, Miesel und all die anderen in der March- und in der June-Version …

Die Ausgangssituation eines komplett duplizierten Flugzeuges ist reichlich fantastisch. Allerdings gelingt es Tellier, trotzdem alles vollkommen normal erscheinen zu lassen: Die lakonische Sprache, die Aneinanderreihung der Personen, die geheimdienstlichen Tätigkeiten als Klammer darum – das ist sehr nachvollziehbar und realistisch. Einen Thriller sehe ich nicht in diesem Buch (der Klappentext verspricht das), wohl aber einen ideenreichen, komplexen, interessanten und gut zu lesenden Spannungsroman. Der einen lange nicht loslässt!

Rowohlt Verlag, Übersetzung: Jürgen und Romy Ritte, 978-3-499-00697-5

Terry Miles: Rabbits. Spiel um dein Leben.

K. ist Teenager, als er das erste Mal mit Rabbits in Berührung kommt: Die beiden Töchter von Freunden seiner Eltern wollen dieses hochgeheime Spiel eigentlich alleine spielen – aber sie werden dazu verdonnert, ihn mitzunehmen auf der Fahrt zum Süßigkeitenholen, auf der sie einen Umweg machen wollen. Emily hat es Annie vorher genau erklärt, es geht darum Diskrepanzen im Zeitgeschehen zu finden. Und dann mit einem waghalsigen Manöver auf die Teilnehmerliste zu gelangen. Das geht schrecklich schief … Jahre später sieht K. es als seine Aufgabe an, die aktuelle Runde zu gewinnen und das tödliche Spiel für immer zu beenden.

Thriller – so steht es auf dem Einband. Das trifft auch zu. Allerdings ist dieses Buch weit mehr als diese Klassifizierung erahnen lässt: Faszinierende Science-Fiction-Elemente sind hier gepaart mit aktuellen Möglichkeiten der KI, dazu gibt es eine Prise Horror und deutliche psychologische Hintergründe.
Mein Mann erklärte mir nach der Lektüre: „Ich wünsche mir mehr solche Bücher! Würde ich sofort lesen.“ Verstehe ich vollkommen.

Penguin Verlag, Übersetzung: Kai Andersen, 978-3-328-60227-9, € 18,00

Christian Klinger: Ein Giro in Triest

Am 27. Juni 1914, einem Samstag, wird Ispettore Gaetano Lamprecht zu einem toten Soldaten gerufen. Entgegen der Anweisungen seines Chefs fährt er mit seinem Rennrad zum Tatort, er nutzt jede Gelegenheit zum Training. Obwohl Lamprecht sicher ist, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt, beendet er die Ermittlungen am Tag danach – denn an diesem Sonntag wird in Sarajevo das KuK-Kronprinzenpaar ermordet. Und der Ispettore, dessen Vater Deutscher und dessen Mutter Italienerin ist, gehört zu der kleinen Gruppe Beamter und Offiziere, die in Triest im Hintergrund für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Denn in Triest brodelt es – Deutsche, Italiener, aber auch Serben und Kroaten möchten, dass die Stadt ihrem Volk zugehörig wird. Schon lange gibt es entsprechende Strömungen, nun, da die Nachfolge des Kaisers ungeregelt scheint, sehen die verschiedenen Nationalisten ihre Zeit gekommen. Triest ist ein echtes Pulverfass und Gaetano Lamprecht sitzt mitten drin …

Christian Klinger schreibt sehr bildhaft, außerdem verknüpft er die historischen Begebenheiten hervorragend mit seiner Krimihandlung. Es gibt wirklich viele Dinge,  die sich nachzulesen lohnen – aber auch wenn man das nicht mag, ist „Ein Giro in Triest“ ein absolut guter Krimi mit Hand und Fuß und einigen Szenen, die James Bond gerecht würden. Klingers Roman ist gute, spannende Unterhaltung, mit deren Hilfe man durchaus ein bisschen klüger werden kann.

Picus Verlag, 978-3-7117-2116-7, € 20,-
T. E. Kinsey: Lady Hardcastle und der Tote im Wald

Lady Emily Hardcastle ist gerade mit ihrer Zofe Florence Armstrong aufs Land gezogen - das Leben in London war zu anstrengend geworden. Auch schon vorher in China und Indien hatten die beiden die wildesten Abenteuer erlebt. Das führte dazu, dass sie ziemlich unkonventionell miteinander umgehen, es ist ziemlich normal, dass sie gemeinsam essen und sich auf Augenhöhe begegnen. Flo Armstrong ist im Grunde ein umsichtiger, sorgfältig aufpassender Bodyguard: Lady Hardcastle scheint Gefahr geradezu anzuziehen! Schon bei ihrem ersten Spaziergang in der neuen Heimat finden sie einen Toten. War das wirklich Selbstmord?

Diesen ersten Band einer kleinen Reihe – der zweite ist gerade erschienen – habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Kinsey versteht es, die gesellschaftlichen Gepflogenheiten aufs Korn zu nehmen, ohne sein Personal „vorzuführen“, er schreibt Dialoge, bei denen wir Leser*innen laut auflachen. Dabei ist die Krimihandlung absolut logisch und nachvollziehbar. Das alles zusammen macht diese Cosy-Crime-Reihe zu sehr angenehmem und hintergründigem Lesefutter. Ich freu' mich auf die Folgebände.

Übersetzung: Bernd Stratthaus, Blanvalet Verlag, 978-3-7341-1007-8, € 10,00
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