Bilderbuch Lieblinge in 2019 - 2018 - BUCHHANDLUNG 12 2019

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unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2019:
Herrliche Buchstabengeschichte

„Schau mal“, sagte der Papagei, „dieses Tier sieht doch sehr aus, als ob ihm etwas fehlt.“
Der kleine Affe nahm seinen ganzen Mut zusammen und ging zum großen Tier hin. „Wer bist denn du?“, fragte er vorsichtig.
„Ich bin ein Nu“, sagte das Nu mit gesenktem Blick. „Und ich fühle mich gar nicht wohl dabei.“

Bei einem großen, wilden Sturm sind ganz viele Buchstaben am Baum des kleinen Affen gelandet – und nun macht er sich, zusammen mit dem Papagei daran, die Tiere zu finden, denen der Buchstabe weggeweht wurde. Am Anfang, als sie noch viele Buchstaben haben, müssen sie lange probieren: Ist große Tier ein Onu? Oder ein Snu, ein Pnu oder ein Dnu? Erst mit dem G ist das Tier glücklich – es ist ein Gnu und nun weiß es das wieder!
Ursula Poznanski (Text) und SaBine Büchner (Illustrationen) haben ein lustiges, verträumtes, anregendes Bilderbuch geschrieben (eines von der Sorte mit viel Text …) in dem Buchstaben tatsächlich die Hauptrolle spielen. Es macht großen Spaß, Affe und Papagei auf ihrem Weg durch den Dschungel zu begleiten, es gibt immer wieder neue Drehungen in der Geschichte. Und sehr viel zu entdecken ist auf den Bildern auch. „Buchstabendschungel“ ist ein herrliches Buch für Vorschulkinder und Leseanfänger.

Ursula Poznanski / SaBine Büchner: „Buchstabendschungel“, Loewe Verlag, 978-3-7855-8923-6, € 9,95

Sooo müde …

(Bärs Texte sind in Normalschrift, Entes kursiv gedruckt …)
„Ich bin sowas von müde! Ich könnte wochenlang schlafen. Monate!“
„Ich bin sowas von wach. Was Bär wohl grad macht?“
„Endlich schlafen. Auf geht’s … Oh ja …“
„Bär! Ich bin’s! Ente! Mach auf! Komm schon, Alter!“
„Was ist los, Ente? Ich hab fest geschlafen.“
„He! Mir ist langweilig! Lass uns was zusammen machen!“

Eigentlich keine große Sache, was hier auf drei Doppelseiten passiert: Bär will seinen Winterschlaf machen und Nachbarin Ente braucht Gesellschaft. Und genau so „normal“ geht es auch weiter – Ente will spielen und braucht einen Kameraden, Ente will backen und hat keine Zutaten, Ente hat sich den Schnabel gestoßen und braucht Streicheleinheiten. Bär hingegen … Bär braucht eigentlich nur Schlaf und wird zunehmend grantiger. Bis er irgendwann so grantig ist, dass Ente von seiner schlechten Laune ganz müde wird. Zu Ende ist das Buch damit aber noch nicht …

Natürlich ist das ein Buch für die ganze Familie. Kinder und Eltern werden ihren Spaß haben mit Bär und Ente, mit den quietschbunten, gradlinigen und sehr ausdrucksstarken Illustrationen und der Geschichte in kurzen, wenigen Sätzen. Natürlich kann man schon auch drüber reden, wie es in der eigenen Familie so ist. Muss man aber nicht, das Buch spricht für sich.

Jory John / Benji Davies: „Du schon wieder!“, Aladin-Verlag, 978-3-8489-0169-2, € 13,00

Wortspiele

Trudel Gedudel ist auch an diesem Morgen die Erste an der kleinen Tür, gerade nachdem Hahn Karuso auf dem Misthaufen stehend gekräht hat. „Die frühe Henne fängt den Wurm.“: Tante Ellis Spruch (und nicht nur dieser!) ist ihr eine gute Leitlinie um durch den Tag zu kommen. Wie so oft sucht sie direkt am Zaun nach Würmern, ein wenig abseits der anderen Hühner. Was Gräten-Käthe, die Möwe, dazu verleitet, ein Gespräch mit ihr anzufangen – Gräten-Käthe schwärmt von der Freiheit hinter dem Zaun. Durch ein kleines Unglück landet Trudel tatsächlich jenseits des Zaunes. Und erlebt ein ziemlich gefährliches Abenteuer!
„Trudel Gedudel purzelt vom Zaun“ ist ein herrlich verschrobenes Bilderbuch, dass sich auch fürs erste Selbstlesen eignet. Auf über 80 Seiten wird, reich bebildert, Trudels Abenteuer erzählt, in kleinen Texthappen und nicht allzu langen Sätzen. Eva Muszynskis Geschichte ist nicht nur spannend, sie ist auch sehr unterhaltsam, auch, weil Trudel und die anderen sehr wortwitzig sind. Und Trudel ist sowieso ein Herzenshuhn, das mit großer Freundlichkeit und einem Schuss Naivität in nahezu allen Situationen eine gute Lösung findet.

Eva Muszynski / Karsten Teich (Illustrationen): „Trudel Gedudel purzelt vom Zaun“, Verlag cbj, 978-3-570-17592-7, € 12,00, eBook € 8,99

Gar nicht in die Jahre gekommen.

„Es war Frühling. Am Waldrand saß eine Hasenmutter mit ihrem Kind. Es hieß Stummel. ‚Das Wetter bleibt gut‘, sagte die Mutter zufrieden und schnupperte gegen den Wind. Sie stellte sich vor Stummel hin. ‚Achte immer auf den Wind‘, sagte sie. ‚Er trägt dir Geräusche und Gerüche zu. Heute kommt der Wind von Westen. Spürst du ihn?‘ Aber Stummel spürte nichts. Neugierig verfolgte er einige Ameisen, die mit Tannennadeln beladen ihrem Bau zustrebten.“ So beginnt die allererste Geschichte über den Hasen Stummel, den wir VorleserInnen und ZuhörerInnen über 41 Kurztexte beim Erwachsenwerden begleiten. Dabei erlebt er Abenteuer und Angst, Not und Nachbarhilfe, Liebe und Trennung – ungeschönt und gleichzeitig sehr schön und lebensbejahend.

Max Bolligers Kurzgeschichten über den Hasen Stummel sind rund 50 Jahre alt, sie haben einige Neuauflagen und unterschiedliche Zusammenstellungen erlebt. Der Autor hatte den Anspruch, Gutenachtgeschichten zu schreiben, die über den Abend hinausgehen, die letzendlich ein ganzes Leben abbilden. Das ist ihm rundum gelungen. Außerdem gibt es die Stummel-Geschichten auch mit ganz unterschiedlichen Illustrationen – recht neu sind die der großartigen Kathrin Schärer, bei der jeder Pinselstrich natürlich wirkt und die es trotzdem versteht, die Mimik einen Hauch menschlich und damit entschlüsselbar zu machen.

Max Bolliger & Kathrin Schärer: „Stummel – Ein Hasenkind wird groß“, Atlantis Verlag, 978-3-7152-0743-8, € 16,95
Mütter auf der ganzen Welt

Heute ist Brokkolitag. "Ich hab keinen Hunger mehr." "Ein Löffel für Mama ..." "Dann iss du ihn doch, wenn er für dich ist!" "Lass das ... Ein Löffel für Papa!" "Der mag das auch nicht." "Als er klein war, hat er es gegessen. Und schau, wie groß er jetzt ist."

Irgendwie sitzt man bei den Dialogen dieses Buches immer mit dabei - hier am Mittagstisch. Aber es ist eben nicht nur der Blick auf die Gesamtsituation, die kleinen Geschichtchen - stets eine pro Seite, mal kürzer, mal länger - enden oft mit einer ziemlich erwachsenen Drehung. Eine Drehung, die sich wunderbar für Gespräche nutzen lässt ...

Das ist sicher kein Buch für jede Gelegenheit. Und auch keines für kleinere Kinder - fünf Jahre muss man schon sein, um die Alltagsgeschichten vom Kind- und Muttersein zu verstehen. Aber dann ist es ein großes Vergnügen! Und wunderbar illustriert ist es auch, jeweils passend zum Land und der Lebenssituation, in der Mutter und Kind leben. Darüber hinaus spürt man in jedem Wort, in jedem Pinselstrich die Lebensfreude von Hélène Delforge (Text, die Übersetzung ist von Anna Taube) und Quentin Gréban (Illustration).

Hélène Delforge / Quentin Gréban: "Mama", arsEdition, 978-3-8458-2992-0, € 20,00

Lieblingszeichner …

Der Franzose Olivier Tallec hat eine auffällige Art zu zeichnen – sehr bunt, in einem interessanten Mix aus detailliert und karg, mit sehr aussagekräftigem Mienenspiel, auch wenn gar nicht alles gezeichnet ist. Und der Franzose Olivier Tallec hat einen hintergründigen Humor, der sich nicht nur in den Zeichnungen, sondern auch in seinen Texten wiederfindet. So ist es auch bei „Hund im Glück“, dem Bilderbuch, das gerade bei Gerstenberg (überhaupt Tallecs „Haus-Verlag“) erschienen ist.

„Ich habe mir schon so lange einen gewünscht, dass ich meinen Augen nicht getraut habe, als ich ihn sah. Ich bin auf ihn zugegangen und mein Herz hat wie wild angefangen zu klopfen. Ich bin überglücklich. Mit seinen großen glänzenden Augen fand ich ihn sofort unheimlich süß. Jetzt müssen wir uns aneinander gewöhnen, das ist bei neuen Freunden fast immer so.“ Dass es um einen Hund und einen Jungen geht, das könnte schon bei diesem Text klar sein. Wer welche Rolle spielt, das entdeckt man aber nur bei genauerem Hinsehen – oder im Verlauf des Bilderbuches. Denn das zeichnet überhaupt Tallecs Bilderbücher aus: Man muss genau hinsehen und die eigenen Ansichten hinterfragen um ihnen auf den Grund zu kommen. Und das schadet weder Kindern noch den vorlesenden Erwachsenen – und großes Vergnügen macht es auch!

Olivier Tallec: „Hund im Glück“, Gerstenberg Verlag, 978-3-8369-5690-1, € 12,95

Zusammen

„Auf einem großen Berg – in einem großen Haus – wohnten ein großer Mann – und eine kleine Maus. – Doch der große Mann sah niemals die Maus – und die Maus sah niemals den Mann im Haus. – Was machte der Mann tagein, tagaus?- Nun …“

Zugegeben, die Reime in diesem Buch erfordern einige Übung. Manchmal reimen sie sich direkt, manchmal auf die übernächste Zeile, manche Sätze gehen sogar über mehrere Zeilen. Aber gerade das macht einen Teil des Zaubers aus! Darüber hinaus ist die Geschichte vom großen Mann und der kleinen Maus, die sich nur durch Zufall kennenlernen, obwohl sie im gleichen Haus wohnen und die gleichen Dinge benutzen, eine der immerwährend-wichtigen Geschichten vom Miteinander das so viel mehr ist als zweimal Einzelgängertum. Und die Zeichnungen sind reizend: überwiegend pastellig aber niemals süßlich, mit sehr vielen Entdeckungsmöglichkeiten, vielfältiger Mimik und interessanter Bildsprache. „Der große Mann und die kleine Maus“ ist ein rundum gelungenes Bilderbuch.

Mara Bergmann / Birgitta Sif: „Der große Mann und die kleine Maus.“, Gerstenberg Verlag, € 12,95
Ich bin eine Katze.

Das sagt Simon, ein eher kleiner, leicht pummeliger Hauskater. Und erntet Gelächter und Erstaunen – denn er ist ja überhaupt nicht so wie ein Löwe, er hat keine Mähne. Und nicht so wie Gepard, er ist nicht elegant und schnell. Auch nicht wie ein Puma oder ein Panther. Und so orange und gefährlich wie ein Tiger ist er auch nicht. (Dieser hält ihn sogar für eine Ratte! Weil er so klein und grau ist. Nicht zu fassen.) Als Simon fragt, warum sie denn alle Katzen sind, wo sie doch so unterschiedlich sind – er hat sehr genau zugehört! – beschreiben sie die Gemeinsamkeiten: Zuckende Ohren, platte Nasen, endlose Schnurrhaare, lange Schwänze, scharfe Zähne und Krallen und große Augen, die im Dunkeln sehen. Simon hat das alles auch …

Wie in jedem wirklich guten Bilderbuch geht es natürlich nicht (nur) um Katzen – es geht um die großen, wichtigen Dinge des Lebens. Denn so wie die Katzen sind auch wir Menschen völlig unterschiedlich, und wenn wir nur diese Unterschiede betonen, dann wird das Miteinander extrem schwierig. Davon ganz abgesehen: Dieses Buch ist so unterhaltsam, zauberhaft und herrlich gezeichnet, dass es eine einzige Freude ist.

Galia Bernstein: „Große Tatzen, kleine Tatzen“, Verlag cbj, 978-3-570-17580-4, € 13,00, eBook € 9,99

Ich bin eine Katze.

Das sagt Simon, ein eher kleiner, leicht pummeliger Hauskater. Und erntet Gelächter und Erstaunen – denn er ist ja überhaupt nicht so wie ein Löwe, er hat keine Mähne. Und nicht so wie Gepard, er ist nicht elegant und schnell. Auch nicht wie ein Puma oder ein Panther. Und so orange und gefährlich wie ein Tiger ist er auch nicht. (Dieser hält ihn sogar für eine Ratte! Weil er so klein und grau ist. Nicht zu fassen.) Als Simon fragt, warum sie denn alle Katzen sind, wo sie doch so unterschiedlich sind – er hat sehr genau zugehört! – beschreiben sie die Gemeinsamkeiten: Zuckende Ohren, platte Nasen, endlose Schnurrhaare, lange Schwänze, scharfe Zähne und Krallen und große Augen, die im Dunkeln sehen. Simon hat das alles auch …

Wie in jedem wirklich guten Bilderbuch geht es natürlich nicht (nur) um Katzen – es geht um die großen, wichtigen Dinge des Lebens. Denn so wie die Katzen sind auch wir Menschen völlig unterschiedlich, und wenn wir nur diese Unterschiede betonen, dann wird das Miteinander extrem schwierig. Davon ganz abgesehen: Dieses Buch ist so unterhaltsam, zauberhaft und herrlich gezeichnet, dass es eine einzige Freude ist.

Galia Bernstein: „Große Tatzen, kleine Tatzen“, Verlag cbj, 978-3-570-17580-4, € 13,00, eBook € 9,99

unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2018:
Ich bin eine Katze.

Das sagt Simon, ein eher kleiner, leicht pummeliger Hauskater. Und erntet Gelächter und Erstaunen – denn er ist ja überhaupt nicht so wie ein Löwe, er hat keine Mähne. Und nicht so wie Gepard, er ist nicht elegant und schnell. Auch nicht wie ein Puma oder ein Panther. Und so orange und gefährlich wie ein Tiger ist er auch nicht. (Dieser hält ihn sogar für eine Ratte! Weil er so klein und grau ist. Nicht zu fassen.) Als Simon fragt, warum sie denn alle Katzen sind, wo sie doch so unterschiedlich sind – er hat sehr genau zugehört! – beschreiben sie die Gemeinsamkeiten: Zuckende Ohren, platte Nasen, endlose Schnurrhaare, lange Schwänze, scharfe Zähne und Krallen und große Augen, die im Dunkeln sehen. Simon hat das alles auch …

Wie in jedem wirklich guten Bilderbuch geht es natürlich nicht (nur) um Katzen – es geht um die großen, wichtigen Dinge des Lebens. Denn so wie die Katzen sind auch wir Menschen völlig unterschiedlich, und wenn wir nur diese Unterschiede betonen, dann wird das Miteinander extrem schwierig. Davon ganz abgesehen: Dieses Buch ist so unterhaltsam, zauberhaft und herrlich gezeichnet, dass es eine einzige Freude ist.

Galia Bernstein: „Große Tatzen, kleine Tatzen“, Verlag cbj, 978-3-570-17580-4, € 13,00, eBook € 9,99

Ein herrliches Vorlesevergnügen!

Jeppe war der schlechteste Schüler in der Wichtelschule. Irgendwie schaffte er es nicht, so richtig aufzupassen, immer kam ihm was dazwischen. Dabei war es doch sein innigster Wunsch, Hauswichtel zu werden! Und dafür musste man so enorm viel wissen! Und jetzt hat er auch noch ein so schwieriges Haus zugeteilt bekommen! Denn jeder Wichtelschüler muss aus einem (einfachen) Haus ein wirkliches Heim für Menschen machen, ein Heim, das so richtig gemütlich und herrlich ist, einfach wichtelig! Aber in „seinem“ Haus lebt ein Hamster – und damit die Menschen einziehen können, muss das Haus erst frei von Nagetieren sein, so steht es in der Wichtelordnung. Nur: Hamster Oswald sieht überhaupt nicht ein, dass etwas an seinem Haus ungemütlich sein soll und ausziehen will er schon überhaupt nicht!

Jeppe & Oswald – Ein Wichtel zieht ein“ ist kein klassisches Bilderbuch mit großformatigen Bildern und überschaubarem Text, sondern ein Vorlesebuch für größere Kindergartenkinder mit 15 Kapiteln und zahlreichen kleineren Bildern neben dem Text. Und „Jeppe & Oswald“ ist eines der Bücher, die man am liebsten jeder Familie in die Hand drücken will, denn viel besser und hintergründiger, viel liebevoller und lustiger kann man kaum unterhalten werden!

Dully & Dax: „Jeppe & Oswald – Ein Wichtel zieht ein“, Ellermann Verlag, 978-3-7707-0021-9, € 13,00

Rundum gelungen

„Diesen Schrei kennst du bestimmt: ‚Iiiiieh! Eine Spinne!‘. Spinnen gibt es in der Küche, im Keller, auf dem Dachboden, in dunklen Ecken, in hellen Ecken, über, unter und neben dem Bett, manchmal sogar im Auto und draußen sowieso.“

Nina Dulleck hat ein Angst-weg-Buch geschrieben - als Mitglied der Arachnologischen Gesellschaft hat sie unter anderem das Ziel, über Spinnen zu informieren und Information hilft nun mal am besten gegen die Angst. So ist dieses Buch auch konzipiert: Es ist reich bebildert und enthält eine Fülle von Sachinfos. Weil aber Nina Dulleck eine wirklich begabte Illustratorin ist und sie sehr viel Humor hat, macht das Buch außerdem sehr viel Spaß! Und handfeste Tipps beinhaltet es ebenso, wobei die Staubsauger-Fliegenklapp-Spinnenverschwinde-Maschine wohl nicht sooo ernst gemeint ist … Aber einen Namen vergeben hilft tatsächlich gegen die Angst (nicht nur vor Spinnen!) und mit einem Becher und einer Postkarte kann man sowohl sich vor der Spinne retten als auch die Spinne heil und gesund nach draußen expedieren. Wir sind jedenfalls ein kleines bisschen verliebt.

Nina Dulleck: „Spinnenalarm! Das große (Spinnen-)Angst-weg-Buch“, Oetinger Verlag, 978-3-7891-0790-0, € 13,00

Malen kann jeder …

„Ramon malte für sein Leben gern. Egal wann. Egal was. Egal wo. Eines Tages malte Ramon eine Blumenvase. Sein Bruder Leon schaute ihm über die Schulter. Leon prustete los vor Lachen. ‚Was ist DAS denn?‘, fragte er. Ramon verstummte. Er knüllte das Bild zusammen und schleuderte es quer über den Tisch.“

Dass das Folgen hat, das können wir uns denken – Ramons wachsende Verzweiflung, weil keines der Bilder wirklich gelingt, ist in den Folgetexten erkennbar. Aber zum Glück hat Ramon nicht nur einen älteren Bruder (der wohl gerade in der Flegelphase ist – das verwächst sich sicher noch!), sondern auch eine jüngere Schwester. Marisol sammelt alle Bilder, gerade die, die Ramon schlecht findet. „‘Das hier mag ich am liebsten‘, sagte Marisol.“ Und so geht dieses zauberhafte Buch – das tatsächlich auch witzig ist und herrlich illustriert sowieso – gut aus. Ramon wird nicht der beste Maler aller Zeiten, aber er macht seinen Frieden mit sich und der Welt. Was wir ja nur für alle Menschen hoffen und wünschen können …

Peter H. Reinolds: „Ramons Atelier“, Gerstenberg Verlag, € 9,95,  978-3-8369-5664-2

„Was ist denn an Booten auszusetzen?“

„Bevor es eine Brücke gab, war da eine Bucht. Eine Bucht, die zum Meer führte. Das Meer war der Pazifik. (…) An einem Ufer lag Presidio, ein Militärstützpunkt in der Stadt San Francisco. Am anderen Ufer gab es nur grüne und gelbe Hügel, die hoch über das Meer ragten. Jenseits dieser Hügel lag eine Reihe von kleinen Dörfern an der Küste. Zu diesen Dörfern kam man nur mit dem Boot.“

Dave Eggers erzählt die Entstehungsgeschichte der Golden-Gate-Bridge – er erzählt sie so schlicht und trotzdem so genau wie es nur geht. Vom ersten Entwurf, der so hässlich war, dass die Menschen ihn nicht haben wollten. Von den Verzierungen, die den zweiten Entwurf verschönten. Vom Material, dem Werkzeug und natürlich von der Farbe, die das Bauwerk bekommen sollte. Und vom Mut, den die Menschen der Region aufbrachten, damit diese Brücke genauso schön werden konnte, wie sie ist. Die Illustrationen von Tucker Nichols ergänzen den Text übrigens aufs Unterhaltsamste … Entstanden ist ein herrliches Bilderbuch für große und kleine Architekturfreund*innen.

Dave Eggers / Tucker Nichols: „Wer hat die Brücke angemalt?“, Diogenes Verlag, 978-3-257-01227-9, € 20,00
Wo die Wörter wohnen

„Es war einmal, vor langer Zeit, da hatte ich noch keine Wörter. Nicht Haus, nicht Ball und nicht mal Omi, dabei sagen meine Eltern, das wäre mein allererstes Wort gewesen. Ich meine, es hätte ja auch Tiefseekabel sein können oder Kommandokapsel oder Froschlaich. Aber nein, Omi. Und eigentlich ist das auch kein Wunder, wenn man bedenkt, bei wem die Wörter wohnten, bevor ich sie bekommen habe.“ Und Wörter hat Mio sehr, sehr viele bekommen: Firlefanz, Wetterleuchten, Schreibmaschine, Augenstern, Clownfisch. Irgendwann war dann kein Wort mehr bei Omi – im Zimmer wurde es stumm. Er brachte neue Worte hinein, aber Konsolenspiel, Manga-Magazin und so viele andere, die passten gar nicht zu Oma. Nur ein Wort blieb ihr, bis zum Schluss. Und das Wort war Mio …

Nikola Huppertz und Elsa Klever haben zusammen ein beeindruckendes Bilderbuch über die Vergesslichkeit und über das Sterben gemacht – leichtfüßig erzählt und künstlerisch illustriert ist es und hat kein Wort oder Bild zu viel. Dieses Buch gehört in jeden Kindergarten – und eigentlich überall hin, wo Kinder sind!

Nikola Huppertz / Elas Klever: „Meine Omi, die Wörter und ich“, 978-3-551-58383-3, Tulipan Verlag, € 15,00

Zum Mitmachen!

Ein Monster in einem Buch! Das darf doch nicht sein. Und darum muss man alles versuchen, um das Monster aus dem Buch herauszubekommen: Man kann das Buch in beide Richtungen kippen, wild schütteln, feste pusten – und das Monster an den Füßen kitzeln, das kann man auch. Aber das Monster lässt sich gar nicht vertreiben, alles nutzt nichts. Erst wenn man es ganz laut – und noch lauter – anschreit, dann verschwindet es. Ins Zimmer. Will man ein Monster im Zimmer?!?

Tom Fletchers Geschichte ist ausgesprochen unterhaltsam und besonders für Kinder, die das „nur Zuhören“ schwierig finden, eine willkommene Abwechslung im Vorlesealltag; die plakativen Illustrationen von Greg Abbott passen auch hervorragend zum Text. Außerdem enthält das Buch eine nicht unwichtige Botschaft, die noch dazu ohne erhobenem Zeigefinger dargestellt ist: Ist das, was ich mir wünsche, wirklich gut? Oder gibt es Schwierigkeiten, wenn mein Wunsch in Erfüllung geht?

Tom Fletcher / Greg Abbott: „Kleines Monster, komm da raus!“, 978-3-570-17553-8, Verlag cbj, € 13,00

Loslassen …

Frau Treuherz ist Klavierlehrerin. Morgens übt sie für sich, nachmittags unterrichtet sie. Und manchmal macht sie danach einen Sparziergang, der Heimweg führt am Geflügelhändler vorbei durch die Einkaufsstraße. Eines schönen Nachmittags steht da ein Käfig und darin ein großer, kräftiger, schneeweißer Enterich – sie weiß gleich, dass er Ellington heißen müsse: „Er schaute sie um Hilfe bittend an. Ja, er meinte wirklich sie. Wenn jemand einen so anschaut und wenn man ihm dazu noch einen Namen gegeben hat, ist man für ihn verantwortlich. So kaufte Frau Treuherz Ellington.“ Doch was macht man mit einem Enterich? Ein wirkliches Haustier ist das ja nicht. Und wenn so ein Tier nicht so leben kann, wie es für es gut ist, dann sucht es Wege, seine Bedürfnisse mitzuteilen – und die sind manchmal ganz anders, als wohlmeinende Menschen es denken.

Zart illustriert, nicht allzu bunt, deutlich in Text und Bild: „Ellington“ ist ein Bilderbuch darüber, dass Lebewesen (und da sind wir Menschen eingeschlossen) mehr brauchen als Nahrungsmittel. Und darüber, dass es sich lohnt, für alle Seiten lohnt, auch für Frau Treuherz, die sich schweren Herzens von ihrem Enterich trennen muss, den Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein wichtiges Buch: Für große und kleine Menschen.
Marlies Bardeli / Ingrid Godon: „Ellington“, Peter Hammer Verlag, € 16,00

Aus zwei mach drei …

„Der Bär und das Murmeltier treffen sich jeden Nachmittag. Sie spielen Darts und gehen zusammen auf Schatzsuche. Der Bär tanzt, und das Murmeltier singt. Sie tun so, als wären sie Stars. Was für ein Spaß!“

Es könnte alles genauso schön weitergehen: Tagsüber beschäftigen sie sich mit lustigen Spielen, abends liegen sie im Gras und genießen das Leben. Wenn nur nicht der Bär eines Tages einfach so die Ente eingeladen hätte, dazu zu kommen! Das Murmeltier ist so richtig sauer und während der Bär Kuchen backt und Saft macht, schreibt es ein Schild – „Bitte nicht stören! Wir sind nicht zu Hause!“ …

Natürlich kommt es anders, als das Murmeltier es sich vorstellt, denn auch wenn die Ente zurückhaltend und vorsichtig ist, ein bisschen neugierig ist sie schon. Eulalia Canal und Rocio Bonilla fabulieren aufs Feinste und illustrieren sehr gekonnt – und so ist dieses entzückende Bilderbuch gerade keines mit erhobenem Erziehungszeigefinger. Sondern eines, das die Freude am Miteinander in den Vordergrund stellt.

Eulàlia Canal / Rocio Bonilla: „Der sind keiner zu viel“, Ellermann Verlag, € 14,99

Mal ganz anders ...

"Bäh - Stell dich doch einmal vor einen Spiegel und sieh dir deine Zunge genau an! Auf der Zunge kannst Du winzige Buckel erkennen. Mit diesen Hubbeln kannst du schmecken, ob eine Speise süß, sauer, bitter oder salzig schmeckt. Besonders die Zungenspitze ist sehr beweglich. Einige Menschen können ihre Zunge sogar einrollen, Du auch?" Diese Sätze finden sich auf der Doppelseite, die mit "Zunge" überschrieben ist und zeigen, auf welch einfachem und genialem Prinzip dieses Bilderbuch beruht: Erst werden mit wenigen Sätzen und sehr nachvollziehbar wir Menschen beschrieben, und dann folgen jeweils einige Tiere, die dieses Körperteil auch besitzen. Allerdings in völlig anderer Form: Die Zunge des Frosches zum Beispiel ist lang und klebrig, er fängt damit die Beute einfach aus dem Flug. Die des Okapis hingegen ist so kräftig, dass es damit Blätter vom Baum reißen kann. Und Augen und Ohren kann es sich auch noch damit reinigen.
Jeweils vier bis fünf Tiere werden uns Menschen so gegenübergestellt. Das ist, gerade weil es in so gut fassbare Kurzkapitel unterteilt ist, bereits für Kinder ab 4 Jahren interessant - und pfiffig ist es sowieso.

Svenja Ernsten & Tobias Pahlke: "Muss der Löwe zum Friseur?", Kosmos-Verlag, € 12,99, ISBN 978-3-440-15589-9

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