Belletristik Lieblinge in 2021 - 2020 - BUCHHANDLUNG 12 2019

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unsere Belletristik-Lieblinge in 2020:
Kurze Zeit

Hans Bauer hatte sich vier Monate völlig Auszeit gegönnt. Vier Monate nach acht Jahren durchgehender Rechtsanwaltstätigkeit, vier Monate ohne Nachrichten, nur mit persönlichen Briefen. Als er Ende April 1933 nach Berlin zurückfährt, beginnen schon im Zug die Machtspiele gegenüber den jüdischen Mitbürgern – Bauer ist entsetzt, schweigt aber wie die anderen auch. In Berlin angekommen, gibt es schon größere Veränderungen: Sozius Dr. Schwartz musste seine Zulassung zurückgeben, ein anderer Arzt hatte die Praxis von Dr. Aaron übernommen, beide haben jüdische Wurzeln. Vor allem aber unternimmt die Polizei nichts gegen Taten von SA-Leuten, ganz egal, wie schwerwiegend diese sind. Bauer verschweigt seinen jüdischen Urgroßvater und versucht, unauffällig zu bleiben, merkt aber schnell, dass er sich dann gemein machen muss mit Nazis und SA. Eine sehr gefährliche Zeit beginnt, die er letztendlich nur knapp überlebt.

Felix Joachimson, 1902 in Hamburg geboren, arbeitete einige Jahre als Journalist in Berlin, emigrierte 1933 nach Österreich und Ungarn und 1936 schließlich in die Vereinigten Staaten. Dort verfasste er unter dem Namen Felix Jackson Drehbücher und Romane – „Berlin, April 1933“ ist sein dritter Roman, den er mit fast achtzig Jahren erst veröffentlichte. Es ist ein zutiefst beeindruckender Text, der sehr anschaulich, auf einer sehr nachvollziehbaren, menschlichen Ebene, aufzeigt, wie schnell Hitler sein Regime etablierte und welche perfiden Machtsysteme er dafür nutzte. Ich möchte dieses Buch jedem Erwachsenen in die Hand drücken und sagen: „Lies!“

Felix Jackson: „Berlin, April 1933“, Weidle Verlag, Übersetzung: Stefan Weidle, 978-3-938803-88-2, € 23,00

Unbekannt

Alfred Russel Wallace war Engländer und in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Südamerika und Malaysia als Sammler tätig. Während längerer Aufenthalte dort hat er Tausende von Käfern und Schmetterlingen eingefangen und katalogisiert – und dabei ist er immer wieder auf die Schwierigkeit gestoßen, ob etwas eine eigene Art, eine Unterart oder „nur“ eine Variation ist. Über diese Frage kam er der Entstehung der Arten auf die Spur, und zwar vor Charles Darwin, den er in einem Brief über seine These unterrichtete. Trotzdem ist Wallace kaum bekannt, Darwin hingegen kennt jedes Schulkind.

Der Autor Anselm Oelze nähert sich Wallace auf zwei Ebenen: Da ist Wallace selbst, „der Bärtige“, der aus seinem Leben und von seinem Tun berichtet. Und da ist Albrecht Bromberg, der Museumswärter in der Jetztzeit. Durch Zufall wird Bromberg an einem Tag gleich zweimal mit einem Bild von Wallace konfrontiert – das irritiert ihn so, dass er diesem Menschen auf die Spur kommen will.

Oelzes Debutroman über den unbekannten Außenseiter Alfred Russel Wallace ist mit 250 Seiten eher schmal, vor allem aber ist er sprachlich beeindruckende, historisch interessante und überaus kluge Unterhaltung.

Anselm Oelze: „Wallace“, Schöffling & Co., 978-3-89561-132-2, € 22,00, eBook € 17,99, Hörbuch € 22,00

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